Umang Shah: von Indien nach Deutschland

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Avatar von Ivan Relja

Umang Shah

  • Geboren in Mumbai, Indien 1995
  • Our Lady of Remedy High School 2001 – 2011
  • Diplom in Maschinenbau Shri Bhagubhai Mafatlal Polytechnic, Mumbai Indien 2011 – 2015
  • Bachelor/Diplom in Maschinenbau K.J. Somaiya College of engineering, Mumbai Indien 2015 – 2018
  • Master in Verkehrstechnik und Mobilität, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule RWTH, Aachen Deutschland 2018 – 2022

Bachelor in Indien, Master in Deutschland

Die Entscheidung, mein Masterstudium in Deutschland zu absolvieren, war keine völlig bewusste Entscheidung. Was mir jedoch geholfen hat war, dass ich im zweiten und dritten Jahr meines Bachelor of Technology die Deutschkenntnisse auf B1-Niveau abgeschlossen habe. Ich habe drei Jahre lang als Fahrwerksingenieur für das Formel-Rennwagenteam meiner Universität gearbeitet. Mir wurde eine Praktikumsmöglichkeit in einem Unternehmen in den USA angeboten. Ich wollte im Bereich Fahrzeuge und Transport bleiben, aber nicht im Automobilbereich. Ich wollte mich auf Nachhaltigkeit und Mobilität fokussieren. Im Jahr 2018 wurde an der RWTH Aachen ein englischsprachiger Studiengang „Transportation Engineering and Mobility with Specialization in Railway Systems Engineering“ eingeführt. Ich habe mich für den Studiengang beworben und wurde an der RWTH angenommen. Derzeit arbeite ich als „Design Engineer Bogie Suspension“ bei Alstom. Da ich Fächer studiert habe, welche den Fokus spezifisch auf Eisenbahntechnik legen, sind mir die Türen zu den Unternehmen geöffnet, deren Geschäftsmodell und Portfolio hauptsächlich Eisenbahn, Infrastruktur und Signaltechnik sind.

Die Arbeitserfahrung in Indien

Ich habe jeweils 6 Monate lang als Praktikant in zwei Unternehmen gearbeitet. Das erste Unternehmen war Mahindra & Mahindra. Ich habe an speziellen Fertigungsverfahren wie Schmieden und Pulvermetallurgie gearbeitet. In meinem zweiten Praktikum bei Invotec arbeitete ich an Projekten im Zusammenhang mit dem Maschinenbau und ich schlug auch die Implementierung einiger Standardpraktiken wie Sortierung (Teil von 5S), Shadowboard, Zwei-Behälter-Inventursystem usw. vor. In beiden Praktika habe ich Sachen umgesetzt, die ich im Unterricht als Theorie gelernt habe. Außerdem habe ich 3 Jahre lang in meinem Universitäts-Formula-Studententeam gearbeitet. Durch die Arbeit dort konnte ich erste Erfahrungen in der Entwicklung und Herstellung eines Fahrzeugs sammeln. Das Team funktionierte wie ein Unternehmen und es gab mir auch einen Einblick, was Verantwortung eigentlich bedeutet, wie Hierarchie funktioniert und wie man mit Konflikten umgeht. Ich hatte keine Lücke zwischen meinem Bachelor of Technology und meinem Master, also habe ich dazwischen auch nicht gearbeitet.

Frühere berufliche Hintergrund

Diese Frage trifft auf mich nicht zu, da ich ein Praktikum gemacht und in einem studentischen Rennwagenteam in einem ganz anderen Bereich gearbeitet habe. Ich habe einige Punkte in der obigen Frage und auch Frage Nummer 7 in dieser Liste erläutert (Given your work experience in India, were there any specific challenges or advantages you encountered when integrating into the German professional environment?).

Erfolg beim Abschluss Ihres Masterstudiums

Ich verfüge über sehr gut ausgeprägtes Grundwissen über und unterschiedliche Erfahrungen im Bereich Ingenieurwesen, da ich diesen Bereich sieben Jahre studiert und absolviert habe, wozu zwei Praktika von jeweils sechs Monaten gehörten. Dies unterscheidet sich ein wenig von dem, was die meisten Studenten in Indien normalerweise tun. Normalerweise studieren sie nach der 10. Klasse noch zwei Jahre und machen vier Jahre lang (2+4) einen Bachelor-Abschluss. Ein starkes Fundament zu haben, hat mir geholfen, den Schwierigkeitsgrad der RWTH Aachen zu meistern. Mein Kurs umfasste Fächer aus den Bereichen Maschinenbau, Bauwesen, Elektrotechnik und Elektronik. Das Studium von Fächern aus anderen Bereichen (abgesehen vom Maschinenbau) war sehr schwierig, da die Fächer davon ausgehen, dass man über ausreichende Kenntnisse auf diesem Gebiet verfügt. In den meisten Ländern ist der Bachelor-Abschluss in der Regel Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder Elektrotechnik und keine Kombination von allen Bereichen. Die Berufserfahrung war nicht relevant, da ich an der technischen Hochschule war, die ausschließlich auf Theorie basiert und die praktische Anwendung keine Rolle spielt.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Wechsel

Man kann die unterschiede in zwei Hauptaspekte teilen – akademisch/technisch und sozial. Eine der wichtigsten oder notwendigen Anforderungen war die Fähigkeit, sich so schnell wie möglich anzupassen. Die Art und Weise, wie der Unterricht und Prüfungen in Deutschland sind, ist völlig anders als in Indien. Es dauerte ca. 1 Semester, bis ich mich an das System gewöhnen konnte. Das System hat einige Mängel, rein aus der Sicht der Bildung, aber anstatt mich darüber zu beschweren, musste ich sehen, wie ich das Beste aus der Situation machen kann. Einige Beispiele wären, dass Lernen um zu lernen und Lernen um zu punkten, zwei unterschiedliche Sachen waren, zumindest in meinem Kurs. Einige Vorlesungen kollidierten, und einige Fächer, die zunächst nicht obligatorisch waren, sollten zu Pflichtfächern werden, wenn wir nicht innerhalb von drei Jahren unseren Abschluss gemacht hatten. Ich hatte keine Lücke in meiner Ausbildung, was mir den Übergang zum Masterstudium, im Vergleich zu einem gewöhnlichen Berufsleben, etwas einfacher gemacht hat. Der zweite Teil davon war das gesellschaftliche Leben, einschließlich der Pflichten zu Hause. Normalerweise habe ich in Indien keine Hausarbeiten erledigt. Hier musste ich die Verantwortung für Kochen, Putzen und Haushaltstätigkeiten übernehmen. Ich erwähne das, da einige Studenten das Kochen/Essen verpassen, weil sie die ganze Zeit lernen, während andere das Studium vernachlässigen, weil sie andere Sachen zu tun haben. Zu den weiteren Lerninhalten gehörten neben der Anpassung auch die Stunden- und Terminplanung, die Verteilung der Rollen und Verantwortlichkeiten in einer WG (Wohngemeinschaft mit anderen), das Verstehen der Anforderungen des Fachs oder Kurses und die Vernetzung mit Studenten, Senioren und Professoren.

Akademischen und beruflichen Erfahrungen aus Indien und Deutschland

Momentan arbeite ich als „Design Engineer Bogie Suspension“ bei Alstom. Dabei hat mir meine Ausbildung weitergeholfen, da es sich um eine Spezialisierung auf Bahnsystemtechnik handelt. Ich habe umfassende Erfahrung mit der Funktionsweise des Zuges, seinem Herstellungsprozess, seinem Signal- und Sicherheitssystem usw. gesammelt. Obwohl meine Arbeit sehr spezifisch ist, erleichtert mir ein umfassendes Wissen die Arbeit und hilft mir, die Qualität meiner Arbeit zu verbessern. Da ich als Fahrwerksingenieur in meinem Universitäts-Rennwagenteam gearbeitet habe, hilft es mir auch, da ich eine fundierte Basis im Fahrwerksbereich habe und viele der Fahrdynamikszenarien kenne.

Herausforderungen oder Vorteile bei der Integration

Ich habe Praktika in Indien gemacht und für mein studentisches Rennwagenteam gearbeitet. Nach meinem Bachelor kam ich direkt für ein weiterführendes Studium nach Deutschland. Die Herausforderungen und Vorteile einer Arbeit in Indien werden für Personen, die ein Praktikum gemacht haben, völlig anders sein als für jemanden, der nach seinem Abschluss in Indien gearbeitet hat. Ich hatte weder besondere Herausforderung noch besondere Vorteile, aber einiges war völlig anders, wie z. B. die Art der Kommunikation mit dem Vorgesetzten oder die Herangehensweise und die Zeit, die zur Lösung von Problemen benötigt wurde.

Sprachkenntnisse für berufliche Laufbahn in Deutschland

Während des Vorstellungsgesprächs für meinen aktuellen Job bat mich der HR Vertreter, auf Deutsch weiterzumachen, und meinte, wir könnten auf Englisch wechseln, wenn mir einige Wörter nicht einfallen sollten oder ich mich nicht wohl fühlen würde, nachdem ich mich auf Deutsch vorgestellt habe. Ich fühlte mich sicher, so dass ich das Interview auf Deutsch führen könnte. Ich habe einige Wörter auf Englisch verwendet, wenn technische Fragen gestellt wurden, wie zum Beispiel „Luftdruck im Balg“. Aber ich denke, dass meine Entscheidung auf Deutsch weiter zu reden und meine Einstellung zur Situation mir dabei geholfen haben, den Job zu bekommen und auch gute Arbeit zu leisten, nachdem ich angefangen habe. Meine Arbeit erfordert sowohl Englisch als auch Deutsch und das Verhältnis hängt vom Projekt ab. Ich muss einfach und klar auf Deutsch kommunizieren, was im Allgemeinen auf dem Niveau der Deutschkenntnisse B1 erreicht werden kann. Später lernte ich neue Wörter, insbesondere technische Wörter im Zusammenhang mit meiner Arbeit. Wenn man 4–8 Stunden am Tag Deutsch hört, verbessert man seine Sprachkenntnisse automatisch. Die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern wird in den meisten Unternehmen, auch in multinationalen Unternehmen, in denen die Arbeitssprache möglicherweise Englisch ist, weiterhin Deutsch sein.

Die vielfältigen Perspektiven

Ich kann keine konkreten Beispiele geben, aber ich kann einige Punkte hervorheben. Beispielsweise ist die Herangehensweise an ein Problem in Indien völlig anders als in Deutschland. Neben der Herangehensweise, unterscheiden sich auch die Geschwindigkeit der Lösungsfindung, die Effizienz der Lösung, die Klassifizierung des Problems sowie die Identifizierung der Grundursache des Problems. Aufgrund von solchen Unterschieden, werden das Unternehmen und die Mitarbeiter einige Vorschläge zu schätzen wissen, die für jemanden aus einer anderen Kultur selbstverständlich wären. Andererseits könnten einige Maßnahmen negativ wahrgenommen werden. Hier kommt es auf die Kommunikation und auch darauf an, herauszufinden, was funktioniert. Einige meiner Methoden (zur Herangehensweise an Arbeit und Probleme) haben dem Team und dem Unternehmen geholfen.

Beruflichen Netzwerk in Indien

Ich poste regelmäßig auf LinkedIn Beiträge zu neuen Technologien oder neuen persönlichen Erfahrungen und es ist eine Möglichkeit, mit Mitarbeitern meines vorherigen Unternehmens in Kontakt zu treten. Der beste Weg, eine Verbindung herzustellen, ist jedoch jemanden anzurufen oder eine Nachricht zu schicken. Ich habe zwei Praktika in Indien im Maschinenbau- und Automobilsektor absolviert. Der technische Aspekt dieser Sektoren unterscheidet sich vom Mobilitätssektor in Deutschland. Was alle Jobs gemeinsam haben, ist die Fähigkeit zu lernen, Soft Skills zu entwickeln und sich an die Unternehmenskultur anzupassen.

Die Ratschläge

Ich habe keinen allgemeinen Ratschlag, den ich den Menschen geben kann, da ihr Hintergrund (familiäre Situation, finanzielle Situation, Lebensziele, Fähigkeit und Entschlossenheit, eine neue Sprache zu lernen und frühere Berufserfahrung) eine große Rolle spielen wird. Ich würde jedoch empfehlen, selbst zu recherchieren und sich gut Gedanken zu machen. Es sollte nicht auf einem Berater beruhen oder darauf, dass es einem Freund gut geht und er es vorgeschlagen hat, nach Deutschland auszuwandern. Man soll genau recherchieren, wie das tägliche Leben aussehen wird (abgesehen von dem Job oder der Ausbildung, über die die meisten Leute recherchieren). Das Erlernen der deutschen Sprache ist nicht obligatorisch, aber die Kenntnisse der deutschen Sprache würden sehr viele soziale und akademische Vorteile mit sich bringen, weswegen sich die Bemühungen lohnen werden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir möchten uns bei Umang Shah dafür bedanken, dass er seine Erfahrungen und Geschichten mit uns geteilt hat. Um Ihnen die Person, die wir interviewt haben, näher zu bringen, halten wir uns an die höchsten Standards des Datenschutzes.

Die Fotos wurden mit der ausdrücklichen Genehmigung von Umang Shah verwendet und dienen dem Zweck, dass Sie ein Gesicht mit der Geschichte verbinden können.

Bitte respektieren Sie die Privatsphäre unseres Gesprächspartners und verwenden oder verbreiten Sie seine Fotos nicht.

Wir danke Ihnen für Ihr Verständnis und wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen von Umangs Erfahrungen mit dem Leben, Studieren und Arbeiten in Deutschland.

TIPPUNKT-Team


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